Klassik-Techniken

Autor: Dipl.-Sportwissenschaftler Tim Tröschel

Als die Urform aller Bewegungstechniken im Skilanglauf und Rollski-Sport gilt die klassische Technik. Schon vor nahezu tausend Jahren bewegten sich die Menschen im Winter in Skandinavien zur Jagt oder als Transporthilfe auf Ski in der klassischen Technik. Die heutzutage bekannte klassische Technik unterscheidet sich wesentlich von der ursprünglichen Technik.Grund dafür ist zum einen das veränderte Material. Früher fuhr man Ski mit 2,5m Länge und mehr sowie eine Urform der heutigen Bindung. Außerdem benutzte man nur einen sehr langen und schweren Stock. Der Untergrund bestand zumeist aus meterdickem Pulverschnee, auf dem die Ski eine große Auflagefläche haben mussten um nicht einzusinken.

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Heutige Ski und vor allem der daraus entstandene Rollski sind schmal, leicht und kürzer. Dadurch wird ein unvergleichliches Handling der Sportgeräte in der klassischen Technik erreicht. Die Bindungen sind bei dem Ski und Rollski komplett auf die klassische Technik spezialisiert. Aus einem Stock sind zwei Stöcke entstanden, die komplett zum Vortrieb verwendet werden. Der Schnee wird mit Maschinen komprimiert und eine Spur auf der Loipe gibt Führung und Stabilität im Laufverhalten. Gleiches gilt für das Rollski-Laufen, wo meist auf Asphalt oder gut komprimierten Wegen klassisch gerollert wird.

Eine weitere klassische Technik stellt der Doppelstockschub dar. Wird man in der Diagonaltechnik zu schnell, das heißt die Bewegungsfrequenz wird zu hoch und kann nicht mehr aktiv dem Vortrieb dienen, so wechselt man in den Doppelstockschub der klassischen Technik. Dieser dient speziell dem Vortrieb in der Ebene, auf leichten Abfahrten und bei professionelleren Ski- und Rollski-Läufern auch am Berg. Die Beine werden dabei stabil gehalten und Oberkörper sowie Arme erzeugen die Bewegungsgeschwindigkeit.Die klassische Technik des Diagonallaufs entspricht in ihrer Bewegungsstruktur dem Gehen oder Laufen. Ähnlich dem Nordic Walking (das Trainingsmittel der Skilangläufer im Sommer bekannt unter Skigang) werden die Stöcke in einem zyklischen Rhythmus wechselseitig zur Beinbewegung geführt. Wird diese Wechselseitige Arm-Bein-Koordination unterbrochen, so spricht man vom Passgang, der vermieden werden sollte. Unterschiede zum normalen Laufen liegen darin, dass der Ski und Rollski in der klassischen Technik gleitet (Bzw. rollt). Somit ergibt sich je nach Geländeform ein langer Gleitschritt, der durch eine dementsprechende Pendelbewegung der Arme ausgeglichen wird.

Als eine Mischform der klassischen Technik gilt der Doppelstockschub mit Zwischenschritt. Hierbei arbeiten die Beine abwechselnd diagonal und der Oberkörper führt die Doppelstock Bewegung aus. Wichtig ist hierbei, dass immer ein Beinabdruck auf einen Doppelstockschub folgt, und nicht zwei Beinabdrücke.

Um die klassische Technik im Skilanglauf und Rollski-Lauf optimal auszuführen, bedarf es als Grundlage vieler koordinativerund konditioneller Fähigkeiten. Eine der bedeutendsten koordinativen Fähigkeit ist die Gleichgewichtsfähigkeit. Ist diese gut ausgeprägt, so lassen sich besonders in der Diagonaltechnik der klassischen Technik lange Gleit- und Rollphasen einbauen. Diese führen dann zu einer ökonomischen Bewegungsausführung und ermöglichen ein energiesparsames Laufen. Neben der Gleichgewichtsfähigkeit werden u. a. hohe Anforderungen an die Kopplung-, Rhythmisierungs-, Differenzierungs- und Umstellungsfähigkeit gelegt.

Eine wesentliche konditionelle Fähigkeit im Skilanglauf und Rollski-Sport stellt die Ausdauerfähigkeit dar, die einer kumulierenden Ermüdung der Muskulatur entgegen wirkt. Besonders im Doppelstockschub der klassischen Technik benötigt der Ski- und Rollski-Läufer ein hohes Maß an Kraftausdauerfähigkeit.

Wer jetzt an seinen Fähigkeiten zweifelt, der sollte beruhigt sein, da der Skilanglauf und Rollski-Sport diese Fähigkeiten schult und ausbaut.

Neben den Fähigkeiten und Fertigkeiten ist das eingangs erwähnte Material ein wesentlicher Punkt, um erfolgreich die klassische Technik laufen zu können. Der klassische Rollski und Ski sollte auf die klassische Technik ausgelegt sein. Mischformen wie Kombi-Rollski oder –Ski (die auch zur Skatingtechnik geeignet sein sollen) sollten aus der Kaufentscheidung heraus fallen, da die einzelnen Techniken komplett unterschiedliche Anforderungen an das Material stellen (mehr dazu in einem gesonderten Artikel). Im Skating erfolgt der Abdruck seitlich, dass heißt Bspw. der Rollski muss leicht kippbar sein. In der klassischen Technik hingegen muss der Rollski infolge eines geraden Abdrucks sehr kippstabil sein. Klassik Rollski verfügen über eine Rücklaufsperre und ermöglichen diesen entgegen zur Bewegungsrichtung gesetzten Abdruck. Bei Ski wird dafür Steigwachs ca. unterhalb der Bindungszone verwendet.

Neben dem Sportgerät Ski und Rollski spielt auch die Ski- und Rollski-Bindung in der klassischen Technik eine wesentliche Rolle. Diese ist zumeist mit einem weichen Bindungsgummi versehen, der ein Abklappen der Ferse des Ski oder Rollski beim Abdruck ermöglicht. Zudem sind Skilanglauf- und Rollski-Schuhe für die klassische Technik im Fußgelenkbereich anders konzipiert. Diese ermöglichen – anders als beim Skating – eine beinah Streckung des Fußgelenkes während des Abdrucks in der klassischen Technik. Letztendlich sind die Stöcke für die klassische Technik ca. Schulterhoch und erlauben auch an steilen Anstiegen das Laufen in der Diagonalen Technik.

Dieser Text dient als Einstieg und Information über die klassische Technik. Detaillierte Artikel als Technikbeschreibung zur Diagonaltechnik, dem Doppelstockschub und dem Doppelstockschub mit Zwischenschritt im Skilanglauf und auf Rollski folgen.

Weitere Informationen zur klassischen Technik im Rollski-Sport sowie klassische Rollski finden Sie unter nordicx.com.

Hier noch ein Video zur klassischen Technik auf dem Elpex Wasa 610 Rollski: 

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